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Kino zuhause – zum gleichen Preis

Meine Entertainment-Ausstattung besteht aus einem phantastischen, perfekt eingestellten, großen Bildschirm und einer 5.1 Surround Anlage, die mehr Bumms macht, als den Nachbar lieb sein könnte. Wenn wir Filme schauen, dann tun wir das mit ordentlichem Seh- und Hörvergnügen. Für mich als Liebhaber ist das sehr wichtig. Nur wenige Filme könnte ich “einfach so weg schauen”, nebenher, mit flachem TV-Ton. Filme schauen ist ein Genuss und wird zelebriert. Das vollkommene Eintauchen in die Geschichte und vor alle in die Emotionen ist das eigentliche Erlebnis.

Machen wir uns nichts vor: Das funktioniert nur in einem Kino. Und zwar aus mehreren Gründen: Die wenigsten Menschen dürften tatsächlich eine Kino-Atmosphäre in den eigenen vier Wänden herstellen können. Auch ein 7.2-Atmos-Sourround-System, eine große Leinwand mit enstprechendem, hellen 4K-Beamer, Popcorn aus der Mikrowelle und Rollläden runter wird nie das Erlebnis eines Kinobesuchs nachahmen können. So sehr ich den Kinobesuch manchmal hasse (Quatschende, atmende, hustende, raschelnde, aufs Handy starrende Menschen um einen herum, zu große Menschen direkt vor einem, teils unbequeme, klebrige Sitze, der ständige, unnötige 3D-Zwang), so sehr liebe ich ihn auch. Denn all das Negative gehört tatsächlich dazu. Das gemeinsame Erlebnis mit anderen Menschen, das Lachen, die spürbare Anspannung. Und nur im Kino stellt sich das Gefühl des Eintauchens und des Ausgeliefert-Sein ein. Keine Fernbedienung, keine Pause-Taste. Da musst du jetzt durch, oder du gehst.

Und dazu kommt noch: Die aktuellen Filme, über die man spricht, laufen noch immer zuerst im Kino. Will man keine illegalen Quellen anzapfen, ist das Kino der einzige Weg, die neuesten Blockbuster zu sehen. Bis jetzt. Denn die Corona-Situation trifft alle, auch Kinobesitzer und Filmproduktionen. Kinos bleiben auf lange Zeit geschlossen und es dürften einige Wochen und Monate ins Land gehen, bis die Menschen es wieder wagen, sich in großen Massen zusammen in einen Raum zu bewegen. Dreharbeiten auf der ganzen Welt werden abgebrochen und pausiert. Und Erscheinungstermine bereits fertiger Filme werden auf mehrere Monate oder gar unbestimmt verschoben.

Neue Ideen müssen her. Nun hatte ich ja lange Zeit die Hoffnung, die Filmindustrie hätte aus den beschwerlichen Erfahrungen der Musikindustrie gelernt und findet sich zusammen, organisiert der heutigen Zeit angepasste Distributionswege, schafft eine gemeinsame Plattform und preislich attraktive Angebote. Kurz dachte man, Netflix könnte der Heilbringer sein, der unsichere, illegalen Quellen unnötig machen wird. Doch das Gegenteil geschah, angespornt durch den weltweiten Erfolg von Netflix, versuchte jeder Anbieter einen Konkurrenten aufzubauen. Ein eigenes Angebot, was früher oder später dazu führen wird, dass die Kunden sich auf ein oder zwei Anbieter konzentrieren werden und auf all die Filme werden verzichten müssen, die dort nicht verfügbar sind. Ein Spotify für Filme und Serien wird es für sehr lange Zeit nicht geben. Zum Schaden der Zuschauer und der Filmhersteller.

Dann aber wurde die Corona-getriebene Idee, aktuelle Kinofilme über Streaming-Anbieter auszustrahlen, überraschend schnell umgesetzt. Sogar in Deutschland, wo iTunes und Amazon nun Filme anbieten, die eigentlich gerade im Kino gezeigt würden. Und das zu einem Preis, bei dem mir die Luft weg bleibt. Der hochgelobte Thriller “Der Unsichtbare” mit Elisabeth Moss wird bei Amazon für 18 Euro angeboten. Zum Verleih. Einmal geliehen hat man 30 Tage Zeit, den Film zu starten, einmal gestartet, 48 Stunden, um ihn zu schauen. Zugegeben, in den 48 Stunden kann er so oft angesehen werden, wie man mag. Das muss dann wirklich ein außergewöhnlich guter Streifen sein.

Rechnet man das mit einem Kinobesuch um, so läge man als Paar bei 9 Euro (Der Single kratzt sich am Kopf und schüttelt ihn). Ein Preis, den man im Kino nur selten erreicht (meist nur am Kino-Dienstag. Nicht an einem Samstag, mit 3D-Zuschlag, Reservierungsgebühr und Überlängenzuschlag (Überlängenzuschlag, den man bezahlen muss, wenn ein Film länger als 120 Minuten läuft)). Ist die Familie größer, spart man natürlich noch mehr. Und im Kino kommen noch Kosten für Popcorn, Chips und Getränke dazu. Also eigentlich ein No-Brainer. Ist doch deutlich attraktiver, das Amazon-Angebot.

Allein, es ist kein Kino. Und es sollte daher auch kein “Kino-Preis” verlangt werden. Auch wenn es eine Milchmädchenrechnung sein mag: Für 18 Euro erhalte ich drei Monate Netflix mit Inhalten ohne Ende. Für 18 Euro höre ich zwei Monate pausenlos lang Spotify. Die psychologische Hürde ist an der Stelle der mögliche Vergleich zu anderen Angeboten. Beim Kino ist das nicht möglich, da geht man hin und zahlt pro Person seine 12 Euro und weiß, was man im Gegenzug dafür bekommt (siehe oben). Auf der Couch ist die Hürde, 18 Euro auszugeben, eine völlig andere. Was sollte mich als Normal-Zuschauer dazu bewegen, einen Film wie “Der Unsichtbare” für 18 Euro auszuleihen? Wird der nicht in drei Monaten ohnehin im normalen Amazon Prime oder Netflix-Programm dabei sein? Ist er wirklich so viel besser als all die anderen Thriller, die ich bei meinen jetzt schon abonnierten Streaming-Anbietern inklusive habe? Ist es ein Film, den ich jetzt sehen muss, weil jetzt meine Freunde, meine Umwelt darüber spricht (im Sinne eines Blockbusters)? Und nicht zuletzt: Bin ich bereit, den Preis für Kino zu bezahlen, selbst wenn ich kein Kino dafür bekomme?

Zuhause ist anders. Die Badewanne ist kein Thermal-Bad, die Musik-Anlage ist keine Disko, die Küche ist kein Restaurant, der Balkon kein Urlaub und der Fernseher ist kein Kino. Und das müssen sie auch nicht. Das Tolle an der Badewanne, der Musik-Anlage, der Küche, des Balkons und des Fernsehers ist, dass sie da sind, jederzeit genutzt werden können, eine ganz andere Art von Glück erschaffen. Und für alle die Momente, wo man darüber hinaus gehen möchte, mit Menschen genießen und eintauchen, Neues erleben und dem Alltag und Zuhause entfliehen möchte, geht man raus. Und bezahlt den verlangten Preis.

Vielleicht werde ich mich in fünf oder zehn Jahren für diesen Artikel hier schämen und denken, wie sehr ich mich doch geirrt habe. Wie sehr die Corona-Krise die Distribution von Filmen, die Angebote und die Seh-Gewohnheiten der Menschen verändert hat. Wie bereit man doch war, das Kino zu vergessen. Vielleicht werden sich nun viel mehr Menschen zu Hause Kino-Atmosphäre schaffen. Vielleicht verkommen Filme aber auch zu einem Fast-Food-Vergnüngen, ähnlich einem Spotify, wo namenlose Musik ohne Seele in einer Playlist über den Zaun geworfen wird und kein Zuhörer überhaupt weiß, wie der Song, der Interpret oder das Album heißt.

Nichts davon möchte ich jetzt glauben. Und ich hoffe, bald wieder ins Kino gehen zu können.

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Alles Andere

IKEA Anleitung für die Corona Krise

von IKEA Israel.

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Alles Erzählt

Feed me, Seymor!

Aktuelle, technische Produkte sollen unser Leben erleichtern, uns im Alltag unterstützen und unliebsame Pflichten abnehmen. Ja, sie sollen sich um uns kümmern. Mitunter beschleicht mich allerdings das Gefühl, dass ich mich mehr um meine Geräte kümmern muss, als sie sich um mich. Ähnlich der fleischfressenden Pflanze Audrey II aus dem großartigen Musical “Little Shop of Horror”, die den armen Seymor pausenlos damit quält, endlich gefüttert zu werden, wollen alle Gerätschaften in diesem Haushalt etwas von mir.

Auch wenn die meisten Rückmeldungen durch optische Anzeigen oder akustische Warnsignale erfolgen, stelle man sich bei folgenden Beispielen bitte eine nölige, nervende Stimme vor.

Kaffeemaschine: “Ich habe kein Wasser mehr. Füll es auf. Mein Kaffeesatzbehälter ist voll. Mach ihn leer. Ich muss dringend wieder entkalkt werden. Kümmere dich drum. Der Auffangbehälter für Wasser läuft schon wieder über. Mach ihn leer. Ich habe keine Bohnen mehr. Füll sie auf. Außerdem habe ich kein Wasser mehr. Tu was.”

Herd: “Da steht kein Topf drauf. Das Wasser ist übergelaufen. Mach das weg. Da steht immer noch kein Topf drauf. Ich mag es nicht, wenn ich nass werde. Der Topf steht nicht richtig drauf. Stell ihn richtig hin. Mach endlich das Wasser weg.”

Küchenmaschine: “Der Deckel ist nicht richtig geschlossen. Mach ihn richtig zu. Die Teile sind zu groß, das kann ich nicht. Schneide das Zeug vor. Das ist mir alles zu anstrengend hier. Kannst du das nicht selbst schneiden?”

Geschirrspülmaschine: “Ich habe keinen Klarspüler mehr. Füll es auf. Ich habe kein Salz mehr. Füll es auf. Ich bin fertig mit Spülen, mach mich leer. Und füll den Klarspüler auf.”

Kühlschrank: “Mach zu. Ich mag es nicht, wenn die Tür so lange auf ist.”

Staubsauger: “Mein Behälter ist voll. Mach ihn leer.”

Elektrische Zahnbürste: “Mein Akku ist leer. Lad mich auf. Der Bürstenaufsatz ist alt. Tausch ihn aus. Mein Akku ist leer.”

Smartphones und Laptops: “Mein Akku ist leer. Lad mich auf. Meine Batterien sind leer. Tausch sie aus. Meine Firmware ist alt. Mach ein Update. Mein Akku ist schon wieder leer. Lad mich auf. Da stimmt was mit dem WLAN nicht. Kümmere dich drum. Da stimmt was mit dem Internet nicht. Kümmere dich drum. Da stimmt was bei mir nicht. Kümmere dich drum. Mein Speicher ist voll. Tu was dagegen. Meine Festplatte ist voll. Räum das auf. Mein Akku ist schon wieder leer.”

Kopfhörer: “Ich kann diese Verbindung nicht finden. Tu was. Wie? Ich war schon mal mit dem Gerät verbunden? Hör ich zum ersten Mal. Und jetzt? Kümmere dich drum.”

Fernseher: “Ich kann das Programm nicht anzeigen. Das muss am Receiver liegen. Kümmere dich drum. Ich kann nicht umschalten. Ich kann den Ton nicht so ausgeben wie du willst. Kümmere dich drum. Ich weiß nicht, mit welchen Kopfhörern ich mich verbinden soll. Kenne die nicht. Tu doch mal was.”

Receiver und Kopfhörer: “Kannst du dem Fernseher bitte ausrichten, dass wir keinen Bock mehr haben? Danke.”

Der Mülleimer mit dem automatischen Deckel: “Hör mal, ich rede mit den anderen Geräten hier. Die sind nicht zufrieden mit dir. Und was ich noch sagen wollte: Fütter’ mich, Seymor.”

Ich: “Audrey?”

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Alles Andere

FaceID-kompatible Atemschutzmasken

Willkommen in der Zukunft. Willkommen im Jahr 2020. Wo die Menschheit in Panik vor der nächsten Seuche nach Strategien und Überlebensmöglichkeiten sucht. Und nach Lösungen, um ihre Smartphones zu entsperren, die mittlerweile keinen Fingerabdruck, sondern das Gesicht des Besitzers zur Identifikation benötigen. Was tun, wenn die Pandemie um sich greift, jeder Mitmensch ein potentielles Gesundheitsrisiko darstellt, man aber dennoch nicht auf die neueste Whatsapp-Nachricht verzichten oder den neuesten Tweet lesen möchte? Auftritt: Die FaceID-kompatible Atemschutzmaske.

Das Ganze funktioniert sehr einfach: Ein Foto des eigenen Gesichts hochladen. Den entsprechenden Abschnitt auf die Maske drucken. Liefern lassen. Überleben und gleichzeitig jederzeit das Smartphone entsperren. So einfach wie genial.

Und falls sich jemand fragen sollte, ob das ein Witz ist, so wird diese Frage auf der Webseite des Anbieters direkt beantwortet:

Is this a joke?

Yes. No. We’re not sure. Viruses are not a joke. Wash your hands when you can. And get vaccines when you can.

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Alles Geschaut

Trailer: The French Dispatch

Wes Andersons Stil ist so einzigartig und unverkennbar, dass er zwangsläufig polarisieren muss. Ich mag ihn sehr, Filmtechnisch finde ich alles, was er bislang produziert hat, großartig. Erzählerisch mochte ich manche seiner Filme sicherlich mehr als andere. Mein All-Time-Favourite wird wohl immer “The Royal Tennenbaums” sein.

Nun bringt Wes Anderson seinen nächsten Star-gespickten Geniestreich “The French Dispatch” ins Kino und hier ist der Trailer dazu, der zwar viel zeigt, die Stimmung einfängt, aber nichts erzählt. Was perfekt ist, denn genau so sollten Trailer sein: Sie sollen neugierig und Lust machen, aber nicht jeden Gag oder Plotpoint vorausnehmen.

Und ja, ich liebe sogar das Poster dazu.

French Dispatch Poster
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Alles Gehört

Meine Liebe zu Soundtracks

Während ich diese Zeilen tippe, läuft im Hintergrund die Musik aus dem Film “The Shawshank Redemption”, hierzulande bekannt als “Die Verurteilten”. Danach dürfte ein Stück aus Apollo 13 erklingen, etwas aus Braveheart, A Beautiful Mind, Backdraft, Oblivion oder 1492. Großartige orchestrale Stücke von einzigartigen Komponisten.

Womit wir direkt bei der Definition, dem Fehler im Titel und dem Grund dieses Artikels sind. Es gibt einen Unterschied zwischen Soundtrack und Score, der nur den wenigsten bekannt ist. Der Score eines Films ist die meist rein musikalische, orchestrale Untermalung eines Films, die meist von einem Komponisten arrangiert und eingespielt wurde. Der Soundtrack hingegen sind die im Film benutzten (gesanglichen) Musikstücke, die von mehreren unterschiedlichen Künstlern geschaffen wurden.

Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man mittlerweile fast nur noch von Soundtracks. Es etablierte sich auch irgendwann, nur einen Tonträger zu einem Film zu veröffentlichen, der Songs, aber auch einige orchestrale Stücke enthielt. Wenn ich aber von Soundtracks spreche, meine ich Scores. Wenn ich von Scores spreche, meine ich Stücke, die von Komponisten wie Thomas Newman, James Horner, John Williams, Mark Isham, James Newton Howard, Alan Silvestri und natürlich von Hans Zimmer geschaffen wurden. Dieser Name dürfte mittlerweile jedem bekannt sein, selbst nicht eingefleischten Filmfans.

Mit Hans Zimmer begann meine Liebe zu Scores. Vielleicht erwachte mit ihm sogar meine Liebe zum Film. Damals, im Jahre 1989, saß ich mit einer Gruppe ebenfalls sechzehnjähriger Halbstarker in einem provisorisch zusammengestellten Kino im Gemeindehaus in unserem Dorf. Eine kleine vergilbte Leinwand, die vermutlich einst für Dia-Shows benutzt worden war, stand inmitten des Saals. Davor waren in sechs oder sieben Reihen harte Holzstühle aufgebaut auf denen die Kinder keine Ruhe geben wollten. Im Hintergrund ratterte ein echter Projektor, wie man sie heutzutage nicht mehr zu sehen bekommt und ein alter Filmfan regelte und justierte an diversen Knöpfen, um den Film möglichst scharf auf die Leinwand zu werfen.

In meiner Erinnerung war ich der einzige Anwesende, der den Film quasi in sich aufsog, sich der Geschichte hingab, mitfühlte, zu Tränen gerührt war und der zum ersten Mal erlebte, wie Musik einen Menschen berühren konnte. Wie Musik, ein Orchester, ein Rhythmus eine Stimmung erzeugen, ein Bild malen konnte, dass sich mit dem Bild auf der Leinwand vereinte, die Konturen schärfte, die Farben verstärkte, den Weg in das Hirn und das Herz erleichterte. Es handelte sich um “Rain Man” von Barry Levinson mit Dustin Hoffman und Tom Cruise in den Hauptrollen, der die Geschichte des autistischen Raymond Babbitt und seines Bruders Charlie Babbitt und deren schwierige Annäherung erzählte. Der Soundtrack stammte von diversen Künstlern wie Johnny Clegg, Bananarama oder den Belle Stars. Der Score allerdings war von Hans Zimmer komponiert worden.

An jenem Abend hörte ich Hans Zimmers Musik zum ersten Mal. An jenem Abend ließ ich mich zum ersten Mal mitreißen. Und an jenem Abend wurden Scores meine neue Leidenschaft. Klassische Musik, mit Streichern, Bläsern, Trommeln und Harfen, mit Dramatik, mit Gefühl, mit Herz. Keiner der anderen Kinder nahm die Musik wahr, keiner sah den Film, wollte ihn verstehen. Sie alle lärmten, lachten, wenn der autistische Raymond für sie nicht nachvollziehbare Dinge tat. Nur ich saß wie gebannt inmitten des Saals und wünschte, ich könnte sie ausblenden und die Musik lauter drehen.

Seit jener Zeit entwickelte ich ein Ohr für Komponisten, näherte mich ihrem Œuvre, erkannte bald ihren Stil und ihre Handschrift. War ein Film vorbei, blieb ich bis zum Ende im Kino sitzen, um mich der Musik hingeben zu können, um die Momente, die mich zuvor noch bildlich begeistert hatten, musikalisch einbrennen zu lassen. Ich erkannte schnell schon nach den ersten Noten, um welchen Komponisten es sich handeln musste. Die Großen ihrer Zunft sind unverkennbar und die Jungen streben ihnen nach.

Ein Score trägt unmittelbar zur Stimmung eines Films bei. Nein, er prägt ihn sogar, mehr noch als das Bild. Es gibt Videos, die Trailer von Komödien zeigen, aber mit einem schaurigen, unheilvollen Score unterlegt wurden, wodurch sich die Stimmung völlig änderte, abglitt und Unbehagen hervorrief. Die ergreifendsten Momente in Filmen werden durch die Musik erzeugt. Oder durch das bewusste Fehlen von Musik. Oder gar dem bewussten Einsatz falscher Musik, um das oben beschriebene Unwohlsein zu steuern. Die Musik, der Score, macht den Film erst zu dem, was er ist.

Die Soundtrack-CD von Rain Man habe ich noch immer, auch wenn ich meine Scores mittlerweile aus anderen Quellen höre. Damals war es tatsächlich ein Soundtrack, denn neben den oben erwähnten Künstlern mit ihren Songs, enthielt die CD nur zwei Stücke, die einen Mix des Hans Zimmer Scores darstellte. Für mich über Jahre die einzige Möglichkeit, die Musik zu hören. Mittlerweile wurde ein echter Score des Films veröffentlicht und jedes noch so kleine Stück ist dort enthalten. Remastered und in bester Tonqualität.

Mittlerweile läuft im Hintergrund ein Stück aus “The Assassination of Jesse James”, ein Film, der mir gar nicht so recht gefallen mochte. Aber mein Gott, was für ein grandioser Score von Nick Cave & Warren Ellis. Schon alleine dafür liebe ich den Film. Danke Nick, danke Warren. Und danke, Hans.

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Alles Gelesen

Alles alte Klamotten

Irgendwann öffnet man den Schrank und bemerkt, dass zu viele Klamotten darin verstaut sind. Sie hängen von Bügeln, liegen gefaltet auf Stapeln und verstauben in Schubladen. Irgendwann bemerkt man, wie dieser Haufen Kleidung zu einer Last wird, einer Bürde, derer man sich entledigen möchte. Irgendwann ist das alles nur noch Ballast, man sortiert aus, stellt fest, wie viele der Teile man seit Jahren nicht mehr angefasst oder gar getragen hat und ist mutig genug, sich davon zu lösen. Und dann steht man da mit 5 großen Tüten voll guter Kleidung, die eigentlich viel zu schade ist, um sie weg zu werfen.

Natürlich möchte man sie spenden. Aber wo? Wohin mit den alten Klamotten? Man hört und liest ja so viel Übles. Über eine Altkleider-Mafia, über Firmen, die mit den abgegebenen Kleidungsstücken reich wurden, von Bedürftigen, bei denen die Spenden nie ankamen. Man liest über das Rote Kreuz, das offenbar Geld mit den Klamotten verdient, von der Caritas, die mittlerweile nicht nur von gut erhaltenen Altkleidern, sondern von jeglichem Müll überhäuft werden. Und man sieht Reportagen über Sammelstellen, die ebenfalls in den Bergen an alten Textilien untergehen. Wohin also damit?

Das enorm-Magazin hat sich dieser Frage angenommen und versucht, Licht ins Dunkle zu bringen und Tipps zu geben, wohin man alte Kleidungsstücke bringen kann. Worauf sollte man unbedingt achten? Was sollte man meiden? Welche Organisationen gibt es überhaupt, die Altkleider-Spenden annehmen? Wo findet man zentrale Informationen? Und was steckt eigentlich wirklich hinter den Geschichten und Reportagen, wie mit Kleiderspenden Geld verdient wird?

Ein sehr gut recherchierter Artikel, der uns anregen sollte, über unseren Konsum nachzudenken und der letztlich mit dem besten aller Tipps schließt: Hört auf, so viel Scheiß zu kaufen.

Aufmerksam wurde ich auf die Seite durch die Attention Please Aktion von Felix Lobrecht auf seiner Instagram-Seite.

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